Ikea Küche Selbstmontage
Meine Erfahrungen mit der Montage einer IKEA-Küche
Nach über 40 Jahren Erfahrung mit IKEA-Möbeln muss ich leider feststellen, dass sich die Montagefreundlichkeit aus meiner Sicht deutlich verschlechtert hat.
Ich habe gerade eine Küche mit 12 Schränken aufgebaut. Als ausgebildeter Handwerksmeister und technisch versierter Heimwerker benötigte ich – einschließlich Vorsortierung aller Bauteile, Montage der Korpusse, Anbau der Beschläge und Aufbau im Rohbau – rund vier volle Arbeitstage. Das steht für mich in keinem Verhältnis mehr zu dem Bild, das die Werbung vermittelt.
Meine Kritik im Einzelnen:
* Die bebilderten Montageanleitungen sind häufig missverständlich und an entscheidenden Stellen nicht eindeutig.
* In den gelieferten Unterlagen (Auftragsbestätigung, Lieferschein usw.) werden die zugehörigen Komponenten eines Schranks – wie Türen, Schubladen, Beschläge oder Zubehör – nicht sinnvoll zusammengeführt. Dadurch ist die Zuordnung der Teile unnötig zeitaufwendig.
* Es gibt keine vollständige, schrankbezogene Montageanleitung, die alle zum jeweiligen Schrank gehörenden Komponenten zusammenfasst.
* Die Sortierung der gelieferten Pakete ist äußerst aufwendig, da sämtliche Artikel in den Unterlagen ohne erkennbare Struktur aufgelistet sind.
* Früher waren die Bohrungen für Möbelgriffe an den Fronten bereits vorhanden. Heute muss man nach Rückfrage beim Kundenservice eine Bohrschablone im Einrichtungshaus abholen und die Bohrungen selbst anzeichnen und herstellen. Das setzt handwerkliche Erfahrung, präzises Arbeiten und geeignetes Werkzeug voraus.
* Seitenwangen und Passleisten müssen häufig bauseits auf Maß zugeschnitten werden. Auch hierfür sind entsprechende Maschinen und Erfahrung erforderlich. Die dabei entstehenden offenen Spanplatten-Schnittkanten lassen sich mit den von IKEA gelieferten Mitteln nicht fachgerecht versiegeln oder kaschieren.
* Der telefonische Kundenservice ist nur mit sehr langen Wartezeiten erreichbar. Wird ein Anruf abgebrochen, erfolgt kein Rückruf. Gerade während der Montage ist das äußerst frustrierend.
* Auf all diese zusätzlichen Arbeiten und den erforderlichen handwerklichen Aufwand wird in der Werbung nicht hingewiesen. Der Eindruck, man könne „mal eben“ eine komplette Küche erneuern, entspricht meiner Erfahrung nicht.
Mein Fazit:
Die Anschaffungskosten mögen zunächst attraktiv erscheinen. Rechnet man jedoch den erheblichen Zeitaufwand, das notwendige Werkzeug und die erforderlichen handwerklichen Kenntnisse hinzu, relativiert sich dieser Preisvorteil deutlich. Wer diese Voraussetzungen nicht mitbringt, wird zwangsläufig auf externe Hilfe angewiesen sein.
In vielen Fällen ist eine Küche aus dem klassischen Möbelhaus zwar in der Anschaffung teurer, dafür erfolgen Planung, Anpassung, Montage und Gewährleistung aus einer Hand. Am Ende ist das für viele Kunden vermutlich die stressfreiere und wirtschaftlichere Lösung.
Ich habe über vier Jahrzehnte unzählige IKEA-Möbel aufgebaut – angefangen bei den einfachen Regalen mit den schwarzen Inbusschrauben. Damals stand IKEA für einfache, durchdachte Konstruktionen und unkomplizierte Selbstmontage. Von diesem Grundgedanken ist aus meiner Sicht heute leider nicht mehr viel übrig geblieben.
Ingvar Kamprad hätte sich diese Entwicklung vermutlich anders vorgestellt.








