Schlimmste Firma
Firma M. war beauftragt, bei meinem 90-jährigen Großvater zweimal pro Woche die Wohnung zu putzen. Eine eigentlich recht überschaubare Aufgabe. Doch offenbar versteht man dort unter „Haushaltshilfe“ ein deutlich umfangreicheres Dienstleistungspaket.
Der Chef der Firma verfolgt dabei ein faszinierendes Konzept der Kundenkommunikation: maximale Unerreichbarkeit. Rückrufzusagen scheinen eher als unverbindliche Zukunftsvision gedacht zu sein, und versprochene transparente Abrechnungen waren vermutlich so transparent, dass man sie schlicht nicht sehen konnte.
Das eigentliche Highlight war jedoch die eingesetzte Haushaltshilfe. Putzen gehörte offenbar nur am Rande zu ihrem Tätigkeitsprofil. Stattdessen entwickelte sie bemerkenswertes Interesse an Angelegenheiten, die sie eigentlich nichts angingen. Sie bestellte und kaufte meinem Großvater allerlei Dinge, obwohl seine Familie sich seit Jahren zuverlässig um seine Wünsche und Bedürfnisse kümmert.
Besonders beeindruckend war ihr Einsatz an Weihnachten. Während andere Menschen ihre Familien privat besuchen, verlagerte sie ihre Familienzeit offenbar einfach an den Arbeitsplatz. Kind und Partner waren regelmäßig bei meinem Großvater zu Gast. Da fragt man sich natürlich, ob das Teil des Betreuungskonzepts war oder lediglich eine kreative Interpretation von Arbeitszeit.
Auch bei Anschaffungen bewies sie Geschäftssinn. So organisierte sie unter anderem ein Wischsystem, für das mein nahezu blinder und schwerhöriger Großvater deutlich mehr bezahlen durfte, als es im Handel gekostet hätte. Aber sicher nur ein unglücklicher Zufall. Ein Schelm, wer dabei an etwas anderes denkt.
Seitdem diese "Dame" bei meinem Großvater ein- und ausging, traten zudem einige bemerkenswerte Unstimmigkeiten rund um seine Finanzen auf. Selbstverständlich reine Zufälle. Die Häufung ist vermutlich statistisch erklärbar.
Bemerkenswert war außerdem die außergewöhnlich vertrauliche Beziehung zu meinem Großvater. Händchenhalten gehörte offenbar ebenfalls zum Leistungsumfang. Für eine Haushaltshilfe Anfang ~30 sicherlich eine interessante Form der Kundenbindung.
Über die vielen weiteren Grenzüberschreitungen könnte man problemlos ein Buch schreiben. Inzwischen arbeitet die Dame offiziell nicht mehr für meinen Großvater. Das hält sie allerdings nicht davon ab, weiterhin regelmäßig dort aufzutauchen. Wer dachte, eine Kündigung würde eine Betreuung beenden, unterschätzt offenbar wahre Hingabe!!
Mein Fazit: Wer eine Firma sucht, die weit über das Thema Putzen hinaus Einfluss auf das Privatleben älterer Menschen nimmt, könnte hier fündig werden. Allen anderen empfehle ich, ganz genau hinzuschauen, wen sie sich ins Haus holen. Ich persönlich würde diese Firma jedenfalls nicht weiterempfehlen.
P. S. Komisch, dass die Firma bei Google nur gute Bewertungen hat.... Direkt mal die Leser hierher verwiesen.








